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„Sind wir nicht alle lächerlich?“ fragen Jean-Pierre Schaller und Andy Brugger alias Schallbrugg im Titelsong ihres gemeinsamen Debütalbums. „Wunderbar lächerlich“ antworten sie, wie wir uns „schnaufend bewegen, stöhnend ergießen, dampfend entleeren, bis wir röchelnd verenden“, ganz so, als hätte da einer gedacht: „Warte Bürschchen, du sollst noch an mich denken“.

  Das Pyjamaträger-Duo verweigert die Dichotomie. Die beiden verzichten nicht darauf, Jazz zu sein, weil sie auch poppige Melodien und Sounds verwenden. Sie sind Funk und Pop, auch wenn immer wieder jazziges Interplay durchbricht. Schwierige existentielle Themen wie Tod, Identität, das Überleben der Menschheit sind kein Grund, auf Funk und Ironie zu verzichten, und sich im tränendrüsigen Lamentieren zu suhlen.  

 Jean-Pierre Schaller (E-Bass, Komposition) und Andy Brugger (Schlagzeug, Komposition, Texte) sind Schallbrugg – das möglicherweise vielfältigste Jazz-Duo der Popgeschichte (das faltigste jedenfalls). Auf dem Album liefern als Gäste Marco Figini (Gitarre), Fabienne Hoerni (Holzblasinstrumente, Vocals) und Justine Tornay (Trompete, Vocals) eine geballte Ladung an energiegeladenem Funk; live sind es Chris Muzik (Gitarre) und Fabienne Hoerni.

Wie also soll man diese Musik nennen? Jazz und Lyrik? Ähh… Funk und Poesie? Hmm…Am ehesten Schall und Brugg.   Sind es Gedichte, die hier zu Funk- und Jazzgrooves gesungen, rezitiert, genuschelt werden? Skurrile Texte jedenfalls: Haikus, Aphorismen, Sprüche, kleine poetisch-philosophische Geschichten zur Conditio humana, zu Glück, Tod, Existenz, Identität. Alltagspoesie vielleicht, netto, roh, nicht elaboriert, direkt. Die elf Miniaturen regen ebenso zum Denken an wie zum Schwofen und Träumen.

Es sind Lieder mit eingängigen Melodien wie ein Schlager, aber es geht nicht um Liebe und Enzian, sondern um Tod, Freiheit, die menschliche Existenz, Abgründe.   Die Protagonisten ihrer Lieder sind entweder am liebsten „Anderswo“, weil sie da dem Wesentlichen, nämlich ihrem eigenen Wesen, viel näher sind als im Homo Faber-Aktivismus der Normalität, sie klagen ironisch über die Bürde eines Luxus-Lebens, in dem man vor lauter Optionen nicht mehr weiß, wie man sich vergnügen soll („Lass uns feiern! – aber was?“), sie erinnern uns in „It’s just a groove“ an die epikureische Einsicht, dass unser Erleben im Moment vielleicht alles ist, was es gibt, oder loben, ebenfalls epikureisch, in „Mein Glück“ das kleine Glück, wenn ein angenehmer Zustand anhält, oder ein Telefonanruf eine Verpflichtung absagt und dadurch mit unverhoffter Freiheit beschenkt.

  Die Musik von Schallbrugg entwickelt sich oft aus kleinen Fragmenten, einem Refrain, einem Hook, einer Sentenz, einer Idee – oft spontan im Studio, in diesem Fall den Blend Studios von Antoine Estoppey, der schon mit Alicia Keys, Pink, Phil Collins und weiteren großen Namen gearbeitet hat. Ebenda wurde das Album auch gemischt und gemastert.

  Manchmal verwirft man diese ersten Impulse, und manchmal ergeben sich aus ihnen Rhythmus, Tempo, Tonfolge, Stimmung – so in „Luxus", „Mein Glück" oder „Lächerlich“. Manchmal aber steht die instrumentale Komposition auch schon vorab, wie in „Igor“ oder „Walk to nowhere“, und der Text passt sich nachträglich ein. Brugger und Schaller können auf eine 35jährige gemeinsame musikalische Geschichte zurückschauen. Das dabei entstandene Vertrauen macht diese Zusammenarbeit möglich.  

 Auch wenn die Ironie ein wichtiges Element in ihrer Musik ist, sind Schaller und Brugger seriöse Profis. Seit über vierzig Jahren sind sie prägend in der Schweizer Jazz- und Funk-Szene unterwegs (The Clients, Funky Brotherhood, Donkey Kong’s Multiscream, No No Die Bang, License to Chill,

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